„Die DIN macht in der Praxis Probleme“

Fachliche Wissensvermittlung ist bei vielen Versammlungen der Dachdecker-Innung Wittekindsland ein wesentlicher Punkt auf der Tagesordnung. Jüngst referierte Dachdeckermeister Eckhard Hofmeister (r.) über die neue Flachdachrichtlinie. Dazu eingeladen hatten die Obermeister Matthias Müller (v. l.) und Stefan Lewe sowie Innungsgeschäftsführer Timm Oliver Weise. Foto: Christian Weber
Fachliche Wissensvermittlung ist bei vielen Versammlungen der Dachdecker-Innung Wittekindsland ein wesentlicher Punkt auf der Tagesordnung. Jüngst referierte Dachdeckermeister Eckhard Hofmeister (r.) über die neue Flachdachrichtlinie. Dazu eingeladen hatten die Obermeister Matthias Müller (v. l.) und Stefan Lewe sowie Innungsgeschäftsführer Timm Oliver Weise. Foto: Christian Weber

„Es gibt zwei parallel anerkannte Regeln der Technik für Flachdächer, die beachtet werden müssen“, sorgte Eckhard Hofmeister für eine besondere Aufmerksamkeit für seinen Vortrag zur neuen Flachdachrichtlinie. Der Dachdeckermeister aus Herford ist auf Bundesebene Vorsitzender des Fachausschusses für Abdichtung im Zentralverband des Deutschen Dachdeckerhandwerks und erläuterte auf der jüngsten Versammlung der Dachdecker-Innung Wittekindsland in Herford die Besonderheiten der neue Flachdachrichtlinie.

W ie Eckhard Hofmeister gleich zu Beginn seiner Ausführungen deutlich machte: „Wer die Flachdachrichtlinie anwendet, hat die DIN-Vorgaben in der Regel erfüllt.“ Aus seiner Sicht ist die DIN stark von der Industrie beeinflusst. In der Praxis verursacht sie nicht zuletzt für die Architekten Probleme. Denn „an irgendeinem Teil klappt es oft nie“. Die Flachdachrichtlinie ist dagegen mehr von den Praxiserfahrungen des Dachdeckerhandwerks geprägt. Und es ist in der Regel nicht einfach, die beiden unterschiedlichen Beurteilungsweisen auf einen Nenner zu bringen. „Ein endloses Thema ist Gefälle.“ Die Industrie möchte laut dem Referenten Gefällevorgaben gerne streichen. Entsprechende Vorschläge wurden aber seitens des Dachdeckerhandwerks nicht übernommen. „Das Wasserableiten ist Regel Nummer 1 für Dachdecker“, betonte Eckhard Hofmeister.

Eine der wichtigen Neuerungen in der Flachdachrichtlinie betrifft Balkone. Denn die „Fachregeln für Abdichtungen“ gelten nicht nur für Flachdächer sondern eher für alle Fälle mit Anschlüssen in Bauwerken – wozu auch befahrene Flächen gehören. So ist jetzt für barrierefreie Anschlüsse für Balkone und ähnliches geregelt, was früher lediglich in einem Merkblatt empfohlen wurde.

Zudem wurde die bauseitige Verantwortung gestärkt. Wie der Referent erläuterte, bedeutet dies für den Dachdecker, dass er nicht mehr alles hinnehmen muss, was ihm von Vorgewerken hinterlassen wird. Außerdem ist durch die aktuelle Richtlinie mehr Toleranz bei Gefällevorgaben möglich geworden. Das erreichte Gefälle darf etwas vom geplanten Gefälle abweichen.

„Die Industrie ist nicht unser Freund“, erinnerte Eckhard Hofmeister. „Sie ist auch nicht unser Feind – aber unser Gegner.“ Als Beispiel nannte er Notabdichtungen mit Dampfsperre. Was dort manchmal zu Produkten ausgesagt wird, missachtet wichtige Unterscheidungen: „Eine Behelfsabdichtung ist etwas anderes als eine Notabdichtung.“ Und Beschichtungen sind gemäß dem Regelwerk keine Abdichtungen. Und auch eine andere versprochene Produkteigenschaft kritisierte der erfahrene Dachdeckermeister: „Kaltselbstklebend gibt es nicht!“ Der Begriff müsse abgeschafft werden, sei aber gegen die Industrie schwer durchzusetzen. Und auch beim „Winddruck“ wirkten die Versprechen der Hersteller manchmal, als wenn sie nach dem „Prinzip Hoffnung“ formuliert würden. Der Kommentar zur neuen Flachdachrichtlinie soll 2027 veröffentlicht werden.

In den weiteren Punkten der Tagesordnung wurde über den Umbau der Fachschule in Eslohe berichtet, der „im Bestand“ erfolgen soll und für den öffentliche Zuschüsse erwartet werden. Noch offen ist laut Obermeister Matthias Müller, inwiefern Kosten auf Innungen und Betriebe zukommen können. Obermeister Stefan Lewe wies darauf hin, dass eine attraktive Ausbildungsstätte werbewirksam bei der Nachwuchssuche ist.

Wieder gut besucht war die Innungsversammlung – und das Vortragsthema stieß auf Interesse.
Wieder gut besucht war die Innungsversammlung – und das Vortragsthema stieß auf Interesse.
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